Der Artikel wurde von Frau Julia Graven im 2050 Magazin verƶffentlicht.
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Der Grauhals-Kronenkranich gilt in Kenia als Glücksbringer. Er wache über die Gesundheit von Menschen und Vieh, heiĆt es. Für Selina Napong’odia und die anderen Frauen im Dorf Bahati war der Vogel allerdings eher die letzte Hoffnung. Ihre Kinder gingen hungrig in die Schule, denn die Familien hatten kein Geld für Dünger – und ohne den wuchs nichts auf den schlechten Bƶden. Also machten sie sich am Ufer des nahen Lake Ol’Bolossat auf die Jagd nach brütenden Kranichen. Sie aĆen die geschützten Tiere und deren Eier.
Selina dankt Gott dafür, dass das Hungern und die Wilderei vorbei sind. In Gummistiefeln und Fleece-jacke sitzt sie auf einem hellblauen Plastikstuhl vor einer Webcam in der Morgensonne. Hinter ihr wiegen sich Hunderte kleiner Spinatpflanzen auf einem Acker im sanften Wind. Daneben wächst Kohl, ein Feld steht voller Möhrengrün, am rechten Bildrand schauen die Stängel von Roter Bete aus dem Boden. Dass der Gemeinschaftsgarten so prächtig aussieht und das Dorf trotz der nährstoffarmen Böden ernährt, ist auch ein Verdienst der deutschen Hilfsorganisation Char2Cool.
Sie wurde von lokalen Vogelschützer*innen zur Hilfe gerufen und zeigte den Menschen im Dorf, wie sie mit selbst hergestellter Pflanzenkohle die Bƶden so auf-werten, dass sie von ihrem eigenen Gemüse satt werden – und die Kraniche in Ruhe lassen.
Im Amazonasbecken wissen indigene Vƶlker seit unzƤhligen Generationen, dass Kohle aus Pflanzenresten zusammen mit Kompost und Tierexkrementen Bƶden fruchtbar macht. Sie stellen daraus Terra Preta her, eine schwarze, nƤhrstoffreiche Erde, die Mikroorganismen bindet, auch in Trockenzeiten Wasser speichert und dafür sorgt, dass sich neuer Humus bildet. Mit Pflanzenkohle gedüngte Felder gelten sogar als sogenannte Kohlenstoffsenken, die den Klimawandel bremsen kƶnnten, weil sie Kohlenstoff langfristig im Boden halten. In Bahati hilft die Pflanzenkohle nicht nur dem Boden, sondern auch dem See. Sie wird aus āSalvinia molesta“ hergestellt, einem invasiven Unkraut, das in dichten Matten das Ufer überwuchert und das Schilf verdrƤngt, in dem die Kraniche normalerweise brüten.
Mittlerweile ernten die Familien in ihren HausgƤrten genug für den Eigenbedarf. Das Gemüse vom Gemeinschaftsacker verkaufen sie auf dem Markt in der Kreisstadt Ol’Kalou. Selina hat sich von ihrem Anteil das erste Handy ihres Lebens geleistet. Mit dem organisiert sie nun als Sprecherin der Frauen den Gemüsehandel.
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